
Die Deko-Kette DEPOT gibt auf – und in Reutlingen warteten zuletzt Hunderte vor der Neueröffnung von Søstrene Grene. Was der Formatwandel für Eigentümer von Ladenflächen in der Innenstadt bedeutet.
Zwei Nachrichten aus derselben Branche: Die insolvente DEPOT-Betreiberin stellt zum 30. September 2026 den Geschäftsbetrieb ein, sämtliche Mietverträge sind gekündigt. In der Reutlinger Wilhelmstraße dagegen warteten zuletzt Hunderte vor der Neueröffnung von Søstrene Grene. Wenn Sie eine Ladenfläche in der Innenstadt besitzen, steckt in diesem Kontrast die eigentliche Nachricht: Es konsolidieren einzelne Formate, nicht die Lagen. Dieser Beitrag ordnet das DEPOT-Aus mit Zahlen ein – und zieht daraus drei Lehren für Ihre Fläche, Ihre Miete und Ihre Nachvermietung.
Das Wichtigste in Kürze
Die GDC Deutschland GmbH, Betreiberin der Marke DEPOT, beantragte am 13. Mai 2026 ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Aschaffenburg – bereits die zweite Insolvenz nach 2024. Als Gründe nannte Inhaber Christian Gries Zölle, die Konkurrenz durch Plattformen wie Temu und die Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Ende Juni kündigte das Unternehmen die Schließung von 66 der rund 150 Filialen an, bis Anfang August folgten etwa 30 weitere. Am 27. August wurde bekannt: Alle verbliebenen Miet- und Arbeitsverträge enden zum 30. September, rund 730 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz.
Wer daraus den Niedergang der Innenstädte liest, greift zu kurz. DEPOT steht in einer Reihe mit Kodi, Mäc Geiz und der Baumarktkette Hellweg – es konsolidieren bestimmte Non-Food-Formate, deren Sortiment online und beim Discounter unter Druck steht.
Der Blick auf die Branche bestätigt das: Laut einem Bericht des Instituts für Handelsforschung Köln (IFH) ist der Markt für Wohndekoration stabil und wächst nominal leicht – Handelsberater sprechen von struktureller Veränderung, nicht von einer Krise des stationären Handels. Zugleich sorgt sich laut ifo-Institut derzeit jeder sechste Einzelhändler um seine Existenz. Beides zusammen ergibt das Bild: Der Umbruch trifft Formate, nicht Lagen.
So ordnen Sie die Lage für Ihre Fläche ein:
Während das bundesweite DEPOT-Aus jetzt Schlagzeilen macht, ist das Reutlinger Kapitel längst geschlossen: Die Filiale in der Wilhelmstraße 1 gab bereits 2022 auf – vier Jahre vor dem Ende der Betreibergesellschaft. Die Frage, was nach dem Rückzug eines Filialisten mit einer Innenstadtfläche passiert, hat dieselbe Straße seither praktisch beantwortet.
Weiter oben, in der Wilhelmstraße 87, war zuvor der Modehändler Gerry Weber ausgezogen. Auf den Auszug folgte kein trister Leerstand, sondern ein expandierendes Konzept: Søstrene Grene eröffnete dort am 26. April 2024 – Hunderte warteten vor der Tür, wie der Reutlinger General-Anzeiger berichtete.
Warum dieselbe Warengruppe an einem Ende der Straße scheitert und in derselben Toplage Schlangen produziert, hat die WirtschaftsWoche im Juli 2026 analysiert. Søstrene Grene eröffnete in diesem Jahr die 100. Filiale in Deutschland und meldet das beste Ergebnis der Firmengeschichte – der Umsatz stieg um rund 31 Prozent auf knapp 380 Millionen Euro. Der Unterschied liegt nicht in der Größe: DEPOT setzte 2023 rund 330 Millionen Euro um, schrieb aber Verluste. Sondern im Konzept – Inspiration statt Bedarfsdeckung, geführte Laufwege, Produkte ohne direkten Online-Preisvergleich, schnelle Sortimentswechsel.
Für Eigentümer ist ein Detail dieser Analyse besonders relevant: Nach Daten von BNP Paribas Real Estate belegten DEPOT-Filialen häufig 500 bis 800 Quadratmeter – Søstrene Grene eröffnet meist auf 300 bis 500 Quadratmetern. Die expandierenden Konzepte suchen kleinere, effizientere Flächen mit hohem Umsatz je Quadratmeter. Eine Chance für viele Eigentümer von Einzelhandelsflächen in historischen Wohn- und Geschäftshäusern in der Reutlinger Innenstadt.
So gehen Sie vor:
Wer eine Gewerbeimmobilie in Reutlingen besitzt, deren Fläche frei wird, konkurriert um dieselben expandierenden Konzepte – und nutzt die Zeit für drei Dinge.
Erstens die Unterlagen: Grundrisse mit Maßen, Flächenaufstellung, Betriebskosten, Zustand von Heizung und Lüftung – bei Flächen über 500 Quadratmetern eine Aussage zur Teilbarkeit – und ein gültiger Energieausweis, denn die Vorlagepflicht gilt auch für Gewerbeflächen.
Zweitens den Mietansatz: Maßstab ist der heutige Markt, nicht die Miete des ausziehenden Mieters – ein realistischer Ansatz verkürzt den Leerstand, ein nostalgischer verlängert ihn.
Drittens die Sichtbarkeit: Wer aktiv auf expandierende Konzepte zugeht, verhandelt früher – und kann eine Zwischennutzung prüfen, damit die Fläche im Straßenbild bespielt bleibt.
Was KRAMS dabei übernimmt:
Unsere KRAMS Gewerbevermietung hat in der Reutlinger Innenstadt bereits seit 2024 Gewerbeflächen in der Wilhelmstraße an Søstrene Grene und Bonita vermittelt – von der Aufbereitung der Flächendaten über die Ansprache expandierender Konzepte bis zum Vertragsabschluss.
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Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung im Einzelfall. Bei Fragen zu Insolvenz- und Mietrecht wenden Sie sich an eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt.
Stand: September 2026
Nein – nach Angaben von Inhaber Christian Gries soll die Marke in eine andere Gesellschaft überführt werden und mit einem kleineren Filialnetz weiterbestehen. Wie viele Standorte bleiben, war Ende August 2026 offen.
Die Mietverhältnisse mit der insolventen Gesellschaft enden zum Stichtag; offene Forderungen sind im Insolvenzverfahren anzumelden. Was das im Einzelfall heißt, hängt vom Vertrag ab – das klärt eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt.
Nicht wegen der Lage, sondern wegen des Konzepts: Inspirationskauf statt Bedarfskauf, geführte Laufwege, exklusive Produkte ohne direkten Online-Preisvergleich, wöchentlich wechselndes Sortiment – und kleinere, effizientere Flächen (WirtschaftsWoche, 06.07.2026). Für Lagen mit Frequenz ist das eine gute Nachricht.
Ein klarer Zuschnitt im Erdgeschoss, eine durchgehende Schaufensterfront, nachvollziehbare Nebenkosten, verhandelbare Laufzeiten – und eine Fläche, die schnell übergabefähig ist.
Nein – die letzte Reutlinger DEPOT-Filiale in der Wilhelmstraße 1 schloss bereits 2022, vier Jahre vor dem bundesweiten Aus der Kette. Vom Betriebsende der GDC Deutschland GmbH zum 30. September 2026 ist die Reutlinger Innenstadt deshalb nicht direkt betroffen. Wie sich eine Innenstadtfläche nach dem Auszug eines Filialisten neu vermieten lässt, zeigte dieselbe Straße: Im April 2024 eröffnete Søstrene Grene in der Wilhelmstraße 87.
